DRACULA

    

 Der Ordensname des Geschlechtes der Dracula bedeutet ursprünglich "Drachen". Dieser halb militärische und halb religiöse Orden - vergleichbar mit den Rittern des Deutschen Ordens - wurde 1378 vom Herrscher des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation gegründet.

Vlad Tepes Draculea wurde im Winter 1431 auf der Festung Sighisoara in Siebenbürgen als zweiter Sohn von Vlad Dracul geboren. Dieser war zu der Zeit militärischer Gouverneur beim Herrscher Transylvaniens, Sigismund. Das Geschlecht der Draculeas hatte sich seit Generationen in der sehr blutigen Kleinstaat- und Fehdepolitik der Wallachei zu behaupten gehabt...

 

Seine adlige Mutter erzog Vlad Tepes; in den Kriegskünsten unterwies ihn ein älterer Freund der Familie. 
Als junger Mann geriet Draculea gleich während seines ersten Einsatzes im Krieg zusammen mit seinem jüngeren Bruder - Radu - in die Gefangenschaft der Türken. Er verbrachte mehrere Jahre als Geisel am Hofe Sultan Mehemets II. in Istanbul. Für Mehemet waren die beiden Söhne des Patriarchen  wertvolle Gefangene. Als Dracul von der Gefangennahme seiner Söhne Kunde bekam, versuchte er mehrmals ohne Erfolg, über ihre Freilassung zu verhandeln. Bei einem dieser Unterfangen wurde er von Ungarns König Hunyadi verraten, der ihn und seinen ältesten Sohn Mircea ermorden ließ. 

 

Sultan Mehemet versuchte indes, Radu und Draculea zum islamischen Glauben zu konvertieren - und sie so zu Alliierten zu machen, mit deren Hilfe er die Wallachei regieren konnte. Radu war schnell überzeugt - Draculea hingegen war sturer. Es wird behauptet, Vlads spätere Brutalität sei auch auf seine Gefangenschaft zurückzuführen: "...Pfählen lehrten sie mich... gepfählt wurden sie". Als aber auch er nachgab, widmete sich der Sultan wieder seinem eigentlichen Plan, der Inbesitznahme der Wallachei. Draculea und Radu zogen 1448 in die walachische Hauptstadt ein, wo Draculea dann das erste mal Woiwode wurde. Er wollte jedoch keine Marionette Mehemets sein und so floh er kurze Zeit darauf nach Moldavien, wo er mit seinem Cousin Prinz Stefan Lazarevic eine Zeit lang verweilte. Dann zog er weiter nach Siebenbürgen und stellte sich unter den Schutz der Ungarn. Mit Unterstützung Johann Hunyadis, desselben Mannes, der Jahre zuvor seinen Vater und seinen Bruder verraten und in den Tod geschickt hatte, kämpfte er gegen den gemeinsamen Feind Mehemet. Nachdem er seinen jüngeren Bruder Radu aus der Wallachei vertrieben hatte, bestieg er 1456 als Vlad III. erneut den walachischen Fürstenthron. Draculea war gewillt gewesen, Hunyadis Vergehen zu vergessen, um den gemeinsamen Feind Mehemet zu besiegen und endlich rechtmäßiger Prinz der Wallachei zu werden. 


Rumänien war im 15. Jahrhundert aus einigen Kleinstaaten gegründet worden - und jeder von diesen hatte einen eigenen Herrscher. Vlad Tepes war Woiwode - Kriegsherr und Fürst - der Wallachei, des heutigen Südrumänienes, gewesen. Herr über Transylvanien, wie es oft zu hören ist, war er aber nicht.


Vlad Draculea wurde ein gestrenger und gefürchteter Herrscher. Er führte auch für die kleinsten Vergehen härtere Bestrafungen ein, als man je gekannt hatte. Zu dieser Zeit wurden Leute sehr schnell und ohne Gnade gehängt. Menschen wurden mit glühenden Eisen gefoltert, im heißen Wasser gekocht, gehäutet, skalpiert, verstümmelt oder gepfählt, was Vlad den Beinamen "Tepes", der Pfähler, einbrachte. Seine Gefangenen trieb Dracula über Klippen, wo sie am Abgrund von aufgestellten Spießen durchbohrt wurden. Die verurteilten und dann gepfählten Menschen wurden am Straßenrand zur Abschreckung für Durchreisende aufgestellt. 

Besonders grausam ging Draculea gegen Kaufleute der siebenbürgischen Sachsenstädte vor und ließ hunderte von ihnen verbrennen oder pfählen. Auf die gleiche Weise ging er auch gegen andere Untertanen vor - Zigeuner, Bettler, Aussätzige und unbotmäßige Bauern und Stadtbewohner. Ob die vielen Übergriffe auf Dörfer, deren Bewohner deutsche Vorfahren hatten, eine zufällige Wahl waren oder einen Hintergrund hatten, ist nicht mehr bekannt. Dies aber ist  der Grund dafür, daß die meisten erhaltenen Dokumente dieser Zeit Schriften und Bilder aus Deutschland sind. 

Seine brutalen Foltermethoden begründeten Vlads unheilvollen Ruf. Im Rumänischen bedeutete das Wort "Dracul" sowohl Drache als auch Teufel. Zu Beginn wurde dieser Ordensname noch mit "Sohn des Drachen" übersetzt, aber je grausamer er wurde, umso mehr deutete man den Namen zu "Teufel" um. Daß von Draculea auch als Vampir berichtet wurde, kann vielleicht daher rühren, das in manchen Sprachen die Wörter "Teufel" und "Vampir" sehr ähnlich sind.


Draculea werden "teuflische Gepflogenheiten" nachgesagt, wie das Trinken des Blutes seiner Feinde. Dies tat er, um bei seinen Feinden größeren Respekt zu erlangen und Angst zu schüren. Es war aber nicht unbedingt ungewöhnlich zu diesen Zeiten, daß der Sieger das Blut seiner Feinde trank. Ob Draculea es manchmal vielleicht etwas übertrieben hat oder ob diese Geschichten vielleicht doch gänzlich erfunden sind, ist heute leider nicht mehr genau nachvollziehbar. Die Wahrheit liegt im Verborgenen..... Doch daß Draculea im Blut seiner Feinde gebadet hat, um seinen Körper länger jung zu halten, darf allen Mythen zum Trotz bezweifelt werden...


Ob er im Kampf gegen die Türken fiel, von einem gedungenem Mörder geköpft wurde, oder kurz vor dem Sieg in der Schlacht durch einen unglücklichen Hieb eines seiner eigenen Männer umkam, weiß man nicht genau. Sein Körper wurde im Kloster Snagov unweit von Bukarest beigesetzt, sein Kopf von den Türken abgeschlagen und in Honig konserviert und so an den Sultan übersandt.

                           Draculas Grab

Vlad Tepes Untaten wurden schon zu seinen Lebzeiten in Liedern und Flugschriften geschildert. Während er in Rumänischen und Russischen Überlieferungen als grausamer, aber gerechter Herrscher beschrieben wird, erscheint er in den ab 1462 verbreiteten deutschen Handschriften und Drucken als blutrünstiger Schlächter, der sich an den Qualen seiner Opfer weidet. Daß "der wilde Wüterich genannt Dracole" Blut trank, ist nirgends belegt; daß er viel Blut vergoß und eines gewaltsamen Todes starb, ist unbestritten. Seine letztendliche Unsterblichkeit verdankt Vlad Tepes doch vor allem Bram Stoker, der ihn vier Jahrhunderte nach seinem Tod in seinem Roman wieder auferstehen ließ. 

Im Jahre 1931 wurde Vlads Gruft in Snagov geöffnet. Von seinen Überresten jedoch findet sich keine Spur. Sicherlich kein Beweis, daß Vlad ein Wiedergänger ist. Doch munkelt man in Rumänien, Tepes halte sich irgendwo im Lande versteckt und werde wieder hervorkommen und Rumänien verteidigen, wenn es ihn braucht...

VLAD TEPES

 

Die Fledermaus

Von Bela Lugosi

 

Bela Lugosi


Geboren:
20.10.1882
Geburtsort:
Lugos, Österreich-Ungarn (heute Lugoj, Rumänien)
Bürgerlicher Name:
Blaskó Béla Ferenc Dezsõ
Gestorben:
16.08.1956

Ihr aufgeklärter Verstand wird sich gegen folgende Geschichte sträuben - ja, Sie werden ihr wahrscheinlich nicht den geringsten Glauben schenken. Um die Geschichte des Spukhauses und die sonderbaren Umstände dort zu erzählen, kann ich nicht umhin, alte Zeiten heraufzubeschwören. Wie Sie wissen, bin ich zum vierten Male verheiratet. Ja, die Kunde davon hat bestimmt auch Sie erreicht. Sie haben also von meinen... meinen anderen Frauen gehört. 

Ihnen ist auch bekannt, daß ich aus den schwarzen Bergen Ungarns stamme, wo ich in den Armen meiner lieben Amme den Erzählungen von Vampiren lauschte - und wo ich deren Opfer sah. 0 ja, als ich älter wurde und die Dinge um mich herum begriff, fielen mir die vielen jungen Burschen und Mädchen auf, die blaß und kränklich und ohne ersichtlichen Grund dem Tode entgegensiechten. Leichtgläubigkeit gehörte nicht zu meinen Tugenden. Ich war tüchtig belesen. Kecken Mutes tat ich derlei Unsinn hohnlachend beiseite. Alles nur Volkes Märchen, die wahnwitzige Blüten treiben, so sagte ich mir. Leichthin schüttelte ich den Leichenhausgeruch solch abscheulichen Aberglaubens ab...

Aber dann lernte ich jene Frau kennen. Sie war von unbestimmbarem Alter. Eine Schauspielerin, aber nicht gerade das, was man als ansehnlich bezeichnet hätte: stumpfes braunes Haar und eine Haut, die mal sterbensbleich, mal von tiefstem Blutrot war - sobald sie sich gestillt hatte. Der Mund war schmal und zehrend; die Zähne klein und spitz. Sie war ein ums andere Mal verheiratet gewesen. Auch anderweitige Buhler hatten sich ein Stelldichein gegeben. Niemand wagte, nach deren Verbleib zu forschen. Die Männer fürchteten sie - und folgten ihr dennoch gebannt. Treue Gatten verließen ihretwegen das angetraute Weib.  

Damals nannte auch ich eine Frau mein eigen, die mir zwei Söhne gebar. Ja, ich habe zwei Söhne, von denen ich nie etwas habe nach außen dringen lassen. Sie sind derweil zu erwachsenen Burschen gereift. Ich habe sie nie mehr zu Gesicht bekommen - seit ich die Heimat hinter mir ließ. Ich habe nie auch nur eine Grußnote nach Hause geschickt; noch je selbst eine von dort erhalten. Wie sollte das auch möglich sein? Ich habe alle Brücken hinter mir abgebrochen, als ich vor über fünfzehn Jahren von dannen ging. Es war für mich und die Meinen sicherer, keine Verbindung irdischer Natur zu halten. Es wäre mir wohl zumut, könnte ich behaupten, daß ich mich nicht um ihretwegen sorgte, daß der bloße Gedanke an diese beiden jungen Burschen von meinem Fleische mich nicht bekümmerte. Aber es besorgt mich, und es bekümmert mich.  

Sei's drum, wir wollen den Faden wieder aufnehmen... Damals lebte ich also als redlicher junger Mann an jenem Orte. Ich hatte bereits - mit einigem Erfolg - den Romeo gegeben. Allenthalben lief mir die Kunde von meiner hervorragenden Bühnenerscheinung voraus. Ich war frohen Mutes und blickte in eine glückverheißende Zukunft.

Dann traf ich auf sie. Als man mich ihr zum allerersten Male vorstellte, brach mir ein todeskalter Schweiß aus. Bald rasten Herz und Puls wie wild, bald schien alles in mir wie im Todeskrampf zu erstarren. Meine Gliedmaßen versagten mir den Dienst, und ich brachte nur noch ein Stammeln hervor. In ihrer Gegenwart verlor ich jede Fröhlichkeit. Ich fühlte mich immer wie krank, benommen, aufgezehrt. Trotzdem schien es mir versagt, ihre Nähe zu meiden. Sie bat mich nie zu sich, jedenfalls nicht mit Worten. Die übliche Tändelei heimlicher Buhltreffen unterblieb gänzlich. Ich machte ihr ohne Umschweife zu den ungewöhnlichsten Tag- und Nachtzeiten meine Aufwartungen, immer vorangetrieben von einer Kraft, die mit menschlichen Sinnen nicht zu erfassen war. Ich verlor an Gewicht. Ich fand kaum noch Schlaf. Ich hatte mit eigenen Augen andere junge Männer verwelken und verdorren gesehen; und die Leute im Dorf raunten sich die erschrecklichen Gründe dafür zu. Als die Reihe dann aber an mich kam, folgte ich blindlings meinem Schicksal.

Schließlich gebot meine Mutter dem Einhalt und drängte mich, das Land auf schnellstem Wege zu verlassen, um nicht eher wieder zurückzukehren, bevor nicht jene Frau spurlos aus dem Blickfeld der Menschen verschwunden war... Was ich hier berichte, ist die reine Wahrheit. Jedem, dem nur Wißbegierde oder Wunderfitz in ausreichendem Maße anstände, wäre es ein leichtes, dies alles zu bestätigen.  

Also kam ich nach Amerika. Nach einiger Zeit stellte sich mein Wohlbefinden wieder ein. Bei zwei weiteren Angelegenheiten erhoffte ich, nochmals den Hort menschlicher Liebe zu finden, mit dem Vorsatz, mich in die Ehe zu begeben und wie jeder artige Mann ein Heim zu gründen. Was daraus geworden ist, haben Sie sicher vernommen. Die eine Ehe überdauerte gerade einmal vierundzwanzig Stunden... die andere... ich will nur so viel verraten, daß die Verflossene auf den Plan trat und mir unmißverständlich zu verstehen gab, daß sie - sollte ich je wie­der von Liebe ergriffen werden oder gar eine Ehe einzugehen wagen -, daß sie sich also unvermittelt zwischen mich und mein Glück drängen würde. Monatelang, jahrelang wagte ich nicht, an Liebe oder gar eine Vermählung zu denken. Ich hatte mich dareinzufügen, einsam zu bleiben. Dann lernte ich meine jetzige Frau kennen. Sie ging mir zunächst als Sekretärin zur Hand. Auch sie ist ungarischer Abstammung, in jenem Land geboren und also ebenfalls unter dem Einfluß des dortigen Volksglaubens großgeworden, den Erzählungen von Vampiren, Ghoulen und unaussprechlichen Dingen.

Bei ihr sei es, so versicherte sie mir, Liebe auf den ersten Blick gewesen. Irgend etwas in ihrem Innersten habe sich danach verzehrt, sich mir zuzuwenden. Ich erwiderte ihre Liebe nicht - jedenfalls nicht anfänglich. Ich hatte die Liebe aus meinem Leben verbannt. Dann - die Tage verstrichen einer um den anderen, derweil sie für mich Dienst tat und mit mir arbeitete, kleine Dinge ordnete, deren Erledigung ich nie von ihr zu verlangen gewagt hätte - überkam mich doch wieder mit allen Fasern meines Herzens ein heftiges Verlangen nach Zweisamkeit, nach einem Weibe in meinem Herz und Heim.  

Aber erst sollte ich sie einer Prüfung unterziehen. Noch Wochen bevor ich es wagte, ihr meine Liebe einzugestehen und um ihre Hand anzuhalten, peinigte ich sie. Es waren beileibe keine Nettigkeiten, die ich ihr antat. Mir versagt die Stimme, mein damaliges Gehabe genauer zu bedeuten. Vielleicht war es ja tatsächlich nur, um sie zu prüfen... vielleicht war es aber auch die Anstrengung, etwas zu beschwichtigen - jenes andere. Was mich auch dazu trieb und wie sehr derartiges Tun mein Herz auch beschämte, immer rief es in ihr so heftige Pein hervor, daß ihr die Zähren Stund um Stunde in Strömen über die Wangen flossen... aber sie wankte niemals, und wandte sich mitnichten von mir ab. Und so kam es denn, daß wir vor bald zwei Jahren den Bund fürs Leben schlossen und uns in diesem Hause fanden.

 

Wir würden dieses Haus gegen feindlich gesinnte Angriffe jedweder Art schützen, beteuerten wir uns wechselseitig. Dies eingedenk, versahen wir alle Türen mit Schlössern - Schlössern, die nur von meiner Hand geöffnet werden können. Und keiner Menschenseele gewähren wir Zutritt zu diesem Hause, es sei denn, diese wäre uns wohlvertraut. Besucher, die sich per Telephon ankündigen, empfangen wir nicht. Wir halten uns fünf Wachhunde, von denen einer weiß ist und auf den Namen Bodri hört. Der weiß Bescheid. Die Fenster halten wir, wie man leicht sehen kann, zugezogen, verrammelt und verriegelt. Und auf jedem Treppenabsatz haben wir ein großes Kissen plaziert, wo nächtens je ein Hund sein Lager nimmt... undenkbar ein Tritt, sei er menschlicher oder anderer Natur, mit dem irgend nur einer den Aufgang hinauf oder hinabsteigen könnte, ohne daß die Hunde dessen gewahr würden.  

O ja, es gibt Zeiten, wo sie nachts heulen... ängstlich jaulen, obwohl kein Auge, selbst meines nicht, ersehen kann, um wessen sie heulen. Und so habe ich die Gewißheit, daß es trotz all diesen Vorkehrungen in diesem Hause spukt!

Dieser Gedanke rührte mich schon beim allerersten solchen Hundegeheul. Mir wurde es bewußt, weil ich sah, wie sich das weiße Fell von Bodri sträubte, wie er die Ohren anlegte und die rotgeäderten Augen aufriß. Ich war mir dessen dann vollkommen sicher, nachdem in tiefster Nacht das Geräusch von etwas zu hören war, was langsam um das Haus herumflatterte. Und alsbald suchte uns zum ersten Mal jene Fledermaus heim und von jener Nacht an ging's in einem fort. Schon beim ersten Nachtbesuch erblickte ich die Fledermaus - ungeheuer groß und mit nur einem Auge ihr eigen -, wie sie sich gegen das Fenster preßte.

Es geriet uns beiden zur Monomanie - nämlich jene Fleder­maus zu töten. Wir versicherten uns, jenes Wesens entledigt zu sein verhülfe uns wieder zu sorgenfreiem Leben. Wir hießen Bodri, es zu fassen. Wir heuerten selbst Kammerjäger an, um dieser Kreatur nachzusetzen und sie zu töten. Wir bestellten allerlei Leute, hier auf der Lauer zu liegen. Schlußendlich beschied man uns, wir säßen in allem einer Einbildung auf - es sei mit­nichten eine Fledermaus auszumachen. Man hielt uns also für verrückt! Die Monate vergingen, und dann, eines Nachts, erhaschte Bodri die Fledermaus. Wir hörten sein Jaulen in der Dunkelheit. Er kam ins Haus getrottet und trug sie im Maul: ein schlaffes, totes Ding, gräßlich ohne Worte. Mit angsterfülltem Herzen und am ganzen Leibe zitternd, ging ich in den Garten, um dort, inmitten der Nacht, ein Grab auszuheben. Ich grub ein dermaßen tiefes Loch, daß man darin den Riesen von Tarsus hätte verscharren können. Ich begab mich ins Haus und legte mich wieder zur Ruhe. Der nächste Abend kam. Mein Weib und ich hielten ein kleines, festliches Mahl. Wir sprachen dem Weine zu und waren von ausgelassener Stimmung. Wir malten uns sogar aus, irgendwann einmal wieder nach Ungarn zurückzukehren, nach Lugos. Inmitten unseres fröhlichen Plauderns geschah es dann.  

 

Zuerst vernahm es meine Gemahlin. Allein schon in ihrem Gesicht konnte ich lesen, daß sie ihr Kommen gehört hatte. Ich eilte zum Fenster. Die Fledermaus war wieder da. Nicht dieselbe wollen Sie behaupten? Aber doch, sie war es. Bodri an der Seite, begab ich mich in den Garten. Ich hob die tiefe Grube abermals aus. Die Fledermaus war fort. Das Erdreich war unversehrt, aber die Fledermaus war... verschwunden!

Soweit, was ich zu berichten habe. In Lugos würde man solche Nachricht bei weitem nicht für unerhört oder gar unglaublich halten. Solche Vorkommnisse geschehen dort auch heute noch in einem Maße und auf solch furchterregende Weise, daß die Bewohner von Lugos ihre Verstorbenen oft tagelang, manchmal sogar für Wochen, im eigenen Heim aufbahren, um sich aller Zweifel zu entheben, daß jene nicht einen christlichen Tod gestorben sind, sondern den gräßlichen, halbtoten Tod von Vampiren. Aber nichts läge mir ferner, Sie, geneigter Leser, etwa in Angst zu versetzen...  

 

berühmte Blutsauger der Geschichte

Der bekannteste Vampir dürfte wohl ohne Zweifel die Hauptperson aus Bram Stokers Grundlagenwerk "Dracula" sein. Der unheimliche Graf geht auf eine nicht minder unheimliche Figur aus der rumänischen Geschichte zurück: Vlad Tepes, geboren 1431 in Sighisoara. Er war der Sohn Vlad Draculs, eines transylvanischen Militärgouverneurs. Daher stammt auch der Name Dracula: er bedeutet "Sohn Draculs".


Vlad Dracul

 

Beschrieben wurde Vlad III. von Nikolaus Modrussa der Legat des Papstes am ungarischen Hof war:

"Er war nicht sehr groß, aber untersetzt und muskulös. Sein Auftreten wirkt kalt und hatte etwas Erschreckendes. Er hatte eine Adlernase, geblähte Nasenflügel, ein rötliches, mageres Gesicht, in dem die sehr langen Wimpern große, weit-offene, grüne Augen umschatteten; schwarze buschige Brauen gaben ihnen einen drohenden Ausdruck. Er trug einen Schnurrbart. Breit ausladende Schläfen ließen seinen Kopf noch wuchtiger erscheinen. Ein Stiernacken verband seinen Kopf, von dem schwarze gekräuselte Locken hingen, mit seinem breitschultrigen Körper".

Draculas Jugend wurde durch politische Intrigen und Kämpfe gegen die Türken geprägt, in die sein Vater verwickelt war. Nach der Ermordung seines Vaters und seines ältesten Bruders strebte Darcula nach Rache - und der Herrschaft über die Wallachei. Nach Erreichung dieses Zieles 1459 hatte sich Dracula einen Ruf als grausamer Kriegsherr aufgebaut. Er ließ Menschen in jeder nur erdenklichen Weise foltern - sein Liebstes war es jedoch, den Delinquenten zu pfählen. So bedeutet sein Beiname "Tepes" soviel wie "Der Pfähler". Er wurde 1476 ermordet.

Eine weitere bekannte "Vampirin" ist Elizabeth Bathory (1560 - 1614). Die "Blutige Gräfin" glaubte, das Blut junger Frauen würde ihr ewige Jugend verschaffen. Die Opfer waren hauptsächliche ihre Zofen, die sie auf sadistische Weise quälte und tötete. Gräfin Bathory trank das Blut nicht nur, sondern badete und duschte auch darin. Wieviele Jungfrauen sie genau ermordete, ist nicht bekannt. Die Schätzungen reichen von 50 bis zu mehreren Hundert.


Elizabeth Bathory

1610 wurde ihr grausiges Treiben entdeckt. Die Komplizen der Gräfin wurden hingerichtet, sie selbst mauerte man in ihrem Schlafzimmer ein. Dort lebte sie noch vier Jahre, bis die Wachen, die ihr Nahrung durch ein Loch in der Wand reichten, eines Tages ihre Leiche erspähten. Das Leben und Morden Elisabeth Bathory's lieferte Stoff für mehrere Vampirfilme, zum Beispiel "Countess Dracula" (1971), "Blood Castle" (1972) oder "Ceremonia Sangrienta" (1972).

Jüngeren Datums ist die grausige (aber wahre) Geschichte von John Haigh, dem "Vampir von London"(1910 bis 1949). Seine Fixierung auf das Bluttrinken wird zumindest zum Teil auf seine freudlose Kindheit in einem religiös-fanatischen Elternhaus zurückgeführt. Infolge dessen war er unfähig, echte soziale Bindungen einzugehen und brachte stattdessen neun Personen um, trank ihr Blut und löste die Leichen in Schwefelsäure auf. Daher rührt auch der zweite Spitzname Haighs: der "Säuremörder".


John Haigh

Zu Haighs vampireskem Ruf trug sein Verhalten nach seiner Verhaftung noch bei. Im Gegensatz zum durchschnittlichen Serienmörder fehlte seinen Taten jeglicher sexuelle Bezug. Außerdem zeigte er keinerlei Anzeichen von Reue oder auch nur menschlichen Regungen. Stattdessen beschrieb er alle seine Verbrechen klar und detailliert. Er wurde zum Tode verurteilt und gehängt.

Über den Serienmörder Fritz Haarmann gibt es ein "Kinderlied": "Warte noch ein kleines Weilchen - dann kommt Haarmann auch zu Dir - und mit seinem Hacke-Hackebeilchen macht er Blutwurst dann aus Dir..." Die Namen, die ihm die Bevölkerung gab, waren "Der Schlächter von Hannover" und "Der Vampir von Hannover".


Fritz Haarmann

Anders als Haigh waren Haarmanns Taten eindeutig Auswüchse einer gestörten (oder eher zerstörten) Sexualität. Schon als junger Mann verbrachte er wegen Kinderschändung einige Zeit in einer Anstalt, später in einem Gefängnis. Nach 1919 begann er, seine Obsessionen in der Ermordung kleiner Jungen auszuleben. Er tötete sie, indem er ihre Kehlen durchbiß.

Weit bekannter ist jedoch, daß Haarmann zusammen mit seinem Komplizen Hans Grans Teile der Leichen in seiner Metzgerei ahnungslosen Kunden als Rindfleisch verkaufte, worauf auch das obige Zitat anspielt. Er wurde nach über 40 Morden gefaßt und auf eigenen Wunsch im Jahr 1925 geköpft.

 

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